7. Schnellbootgeschwader

Am 1. April 1961 wurde das 7. Schnellbootgeschwader mit dem Befehl Nr. 105 der Marine in Kiel als letztes der Schnellbootgeschwader der Bundesmarine aufgestellt. Acht Monate später, am 12.12.1961, wurde der "Zobel" als erstes Boot in Dienst gestellt. Rasch folgten die anderen Boote, bis mit der Indienststellung von "Ozelot" am 25.10.1963 die Aufstellungsphase abgeschlossen war. Als Tender für das 7. Schnellbootgeschwader stellten am 07.12.1863 "Neckar" und am 02.09.1964 "Werra" in Dienst. Die Boote waren eine modifizierte Form der bewährten Jaguar-Klasse mit äußerlich veränderter Brücke und ABC-Schutz. Nach dem ersten Boot wurden sie als Zobel Klasse (142) bezeichnet.

Das Geschwaders führt als Wappen ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund - das Kreuz, das die Ritter des Deutschen Ordens auf ihren weißen Mänteln trugen. Es symbolisiert bleibende Werte wie Ritterlichkeit, Gerechtigkeit und Tapferkeit.

Wie auch die anderen Geschwader nahm das 7. SG an vielen nationalen und NATO-Manövern sowie Reisen in außerheimische Gewässern teil. Daneben stand für längere Zeit die Erprobung von Flugkörpern in der Nordsee für die der Nerz zeitweise mit dem Tartar-System ausgerüstet wurde.

Zobel-Klasse - hier Hermelin - vor dem Umbau

Im Juni 1969 begann die Umrüstung der Boote auf eine neue Feuerleitanlage (M 20), der Radarsteuerung der beiden 40 mm Geschütze sowie dem weitreichenden drahtgelenkten Torpedo DM 2 (Seal). Frettchen und Hermelin traten am 09.03.1971 als erste umgerüstete Einheiten wieder zum Geschwader. Kennzeichen war der Radom mit der darin verborgenen Radaranlage. Im Juni 1972 war die Umrüstung dann komplett, das 7. SG damit zum modernsten Schnellbootsverband der Marine geworden.


Zobel-Klasse - hier Zobel - nach dem Umbau
mit ABC-Sprühanlage

Ab 1982 begann der Zulauf der neuen Boote der Gepard Klasse, die anfangs nur als 143 A bezeichnet wurde. 1983 führten die restlichen Boote ihren letzten Torpedoschießabschnitt durch. Dabei schoß Wiesel, das vor 20 Jahren auch den ersten Torpedo gelöst hatte, in der Nacht 5/6.05.1983 den letzten "Aal" der Zobel-Klasse. Während die neuen Boote des 2., 3. und 5. Schnellbootgeschwaders anfänglich nur mit Nummern (S 41 - S 70) bezeichnet waren, führten die Boote der Gepard Klasse mit ihrer Indienststellung bereits die im Dezember 1981 eingeführte Kombination von Nummer und Name, z.B. "S 71 Gepard". Nachdem das erste Boot am 07.12.1982 in Dienst gestellt hatte dauerte es knapp 2 Jahre bis am 13.11.1984 das 10te und letzte Boot dieser Klasse Flagge und Wimpel setzte. Als Modifizierung der Albatros Klasse sollten sie statt des zweiten 76 mm Geschützes und der Torpedorohre eine Minenlegefähigkeit sowie einen Starter für Raketen zur Abwehr anfliegender Flugkörper erhalten. Doch es dauerte noch einige Jahre bis dieses System (RAM) einsatzbereit war. Bis Ende 1993 fuhren die Booten daher mit dem "definierten Loch" zur See.


S 77 Dachs - noch ohne RAM-Starter

Neu war ebenfalls eine Anlage zur elektronischen Kampfführung (FL 1800), die eine wesentliche Kampfwertsteigerung gegenüber den Booten des 2. SG darstellte. Mit dem automatisierten Gefechts- und Informationssystem (AGIS) und dem Datenaustauschnetz Link 11 war jetzt zwischen allen 40 Booten der Schnellbootswaffe der Lagebild- und Informationsaustausch möglich, die Waffensysteme konnten ihre wechselseitigen Vor- und Nachteile im operativen Verbund ausgleichen.


S 72 Puma mit RAM-Starter

Zusammen mit der Umstellung auf neue Boote änderte sich auch die Zugehörigkeit der Tender. Werra wechselte zum 01.04.1982 zum Minenabwehrgeschwader Nordsee während am gleichen Tage die Elbe, vom 2. SG kommend, zum 7. SG trat. Sie wurde anschließend zur Übernahme der Systemunterstützungsgruppe (SUG) für die neuen Bote umgebaut und nahm am 29.04.1983 ihre Funktion als Unterstützungsschiff für die Gepard Klasse auf.

Am 4. Oktober 1994 hatte die Schnellbootflottille bereits den neuen Standort Warnemünde, bezogen, der nach der Konzeption der Marine zum Typstützpunkt für Schnellboote bestimmt worden war. Einen Monat später folgte das 2. Schnellbootgeschwader und im Dezember 1995 verlegte auch das 7. Schnellbootgeschwader nach Warnemünde. Damit war die Möglichkeit gegeben, die bislang geprobte taktischen Mischung der Geschwader auch organisatorisch umzusetzen. Zum 1. Oktober 1999 wechselten jeweils 5 Boote vom 7. und 2. SG zum anderen Geschwader. Vom 2. SG wurden die Boote S 66 Greif, S 67 Kondor, S 68 Seeadler, S 69 Habicht und S 70 Kormoran an das 7. SG abgegeben, dafür verließen S 76 Frettchen, S 77 Dachs, S 78 Ozelot, S 79 Wiesel und S 80 Hyäne ihr altes Geschwader.
Mit Außerdienststellung des 2. SG am 28.06.2006 wechselten die Boote wieder zum 7. SG zurück und bildeten nun das einzig noch verbliebene Schnellbootgeschwader, welches nach Auflösung der Schnellbootflottille am 29.06.2006 der am gleichen Tag in Kiel aufgestellten Einsatzflottille 1 unterstellt wurde.

Geschwaderkommandeure:

KKpt. Müller, A. 04.61 - 12.61
FKpt. Rieve, H-O. 12.61 - 03.65
FKpt. Roesner, S. 04.65 - 12.67
FKpt. Werner, A. 01.68 - 12.69
FKpt. Liebig, G. 12.69 - 09.71
FKpt. Günther, S. 10.71 - 06.74
FKpt. Hornung, W. 06.74 - 01.77
FKpt. Bausch, D. 02.77 - 02.80
FKpt. Brannolte 02.80 - 03.83
FKpt. Bruhns, U. 04.83 - 06.84
FKpt. Stallmann, W. 07.84 - 09.86
FKpt. Struve, K.H. 10.86 - 12.88
FKpt. Fritz, K.D. 12.88 - 09.90
FKpt. Hoops, H. 10.90 - 09.92
FKpt. Kronisch, J. 10.92 - 08.94
FKpt. Grothe, H-P. 09.94 - 09.97
FKpt. Brinkmann, R. 10.97 - 09.99
FKpt. Ullmann, A. 10.99 - 08.01
FKpt. Schmidt, U. 08.01 - 12.01
FKpt. Meiert, G. 01.02 - 11.03
FKpt. Behnert, M. 11.03 - 06.05
FKpt. Jopp 06.05 - 05.07
FKpt. Jungmann 05.07 - 03.09
FKpt. Haisch 04.09 - 06.11
FKpt. Meyer, C. 07.11 -


Boote der 1. Generation (Zobel Klasse):

Zobel
Wiesel
Dachs
Hermelin
Nerz
Puma
Gepard
Hyäne
Frettchen
Ozelot


Boote der 2. Generation (Gepard Klasse):

S 71 GEPARD
S 72 PUMA
S 73 HERMELIN
S 74 NERZ
S 75 ZOBEL
S 76 FRETTCHEN
S 77 DACHS
S 78 OZELOT
S 79 WIESEL
S 80 HYÄNE


Tender:

Neckar (Rhein Klasse)
Werra (Rhein Klasse)
Elbe (Rhein Klasse)
ELBE (Elbe Klasse)


Quellen:
Kommando der Schnellboote - Militärisches Tagebuch - Bundesarchiv-Militärarchiv BM 7/20 und BM 7/21, Bd. 1 - 01.10.1957 - 30.09.1960, Bd. 2 - 01.10.1960 - 22.10.1963
Schiffsnummernverzeichnis für Schiffe, Boote und Betriebsfahrzeuge der Bundeswehr - Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, SG I 2, Koblenz 1997
Unterlagen der Schnellbootflottille
Jubiläumsbroschüren des 7. Schnellbootgeschwaders
Fotos: SFltl., Schuur, Frank